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Ronan & Erwan Bouroullec

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie Designer werden wollen?
RB: Sehr früh, mit 15 Jahren. Es kommt mir vor, als wäre ich in einen Zug eingestiegen, der sich seitdem vorwärtsbewegt.
EB: Als ich jung war, hat mich die Indie-Musik aus England und den USA fasziniert. Was ich im Nachhinein zu schätzen weiß, ist, dass all diese Bands die Dinge selbst angepackt haben. Auch haben sie häufig ihre Covers, die Grafiken rund um ihre Arbeit, ja sogar ihre Videos selbst gemacht. Wenn etwas nötig war, dann taten sie es, ungeachtet ihrer Fähigkeiten – Handeln und Lernen gingen einher. Eines ihrer Motti war die Unabhängigkeit, und dabei schufen sie Musik für alle und überall. Ich glaube, damals wollte ich Künstler werden, ein kreativer Mensch, der Dinge deshalb tut, weil sie existieren sollten, jedoch ohne hochtrabende Absichten.

Was bedeutet künstliches Licht für Sie?
RB: Es ist das, was das Ambiente nach Einbruch der Dunkelheit prägt, es ist von großer Bedeutung.
EB: Dasselbe wie natürliches Licht. Man kann über den Unterschied zwischen beiden sagen, was man will: Licht steht immer für Augenblicke, Atmosphären. Generell interessiere ich mich mehr für kontrastreiche Atmosphäre, bei natürlichen Quellen ziehe ich den Schatten eines Baumes der direkten Sonne vor. Bei künstlichem Licht bevorzuge ich viele weiche Quellen statt einer einheitlichen. Aber Licht ist, wenn man es braucht und auf die Art und Weise, wie man es braucht; es geht also darum, den richtigen Ort zur richtigen Zeit zu finden.

Warum arbeiten Sie gern mit Flos?
RB: Flos ist das beste Unternehmen für Beleuchtung.
EB: Einfach, aber es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Ich erkenne in Piero eine Leidenschaft für etwas nicht Greifbares, das sich in etwas Realem einnisten muss. Oftmals beschreibt er die Eigenschaften der Lichtstrahlen selbst; was auf der Welt passiert, wenn sie erhellt ist. Darüber hinaus ist Flos ein bedeutendes Industrieunternehmen. Es besteht also eine wunderbare Balance zwischen der Begeisterung für ein Material, das großen Einfluss auf die alltäglichen Empfindungen hat, und der Hartnäckigkeit bei der Erforschung und Herstellung der Dinge.

Welches Objekt würden Sie gerne als nächstes entwerfen?
RB: Auf diese Frage habe ich keine Antwort.
EB: Da gibt es viele, aber was die Technik angeht, würde ich gerne in der Robotik arbeiten. Dieser uralte Wunsch, einen Roboter zu entwickeln, der nun in die Welt der künstlichen Intelligenz übertragen wird, fasziniert mich… Seit kurzem befasse ich mich mit Computerprogrammierung, um ein wenig zu experimentieren.

Gibt es einen großen Designer, Künstler oder Musiker, der Ihnen bei Ihrer Arbeit als Vorbild dient?
RB: Jacques Tati, Alvar Aalto…
EB: Frank Stella war seit jeher ein Vorbild für mich, aber ich bin ebenso an Konzept- bzw. Minimal-Art oder der Arte Povera interessiert. Judd, Smithson, Lawrence Weiner waren Künstler, die mich in meiner Jugend sehr stark beeinflussten, ebenso wie Merz und Kounellis. Kürzlich habe ich Sol LeWitt einmal genauer betrachtet. Ich mag Kunst, wenn sich darin eine starke Entscheidung befindet, eine Aussage, welche die Paradigmen der Welt verändert. In Bezug auf Design ist Jasper Morrison die Schlüsselfigur für das heutige Geschehen: Er ist der Vordenker der zeitgenössischen Herangehensweise an die Produkte. Und weil Flos ein italienisches Unternehmen ist, verweise ich auf Caos Calmo (Autor Veronesi, Film mit Moretti als Schauspieler, Regisseur Antonello Grimaldi). Buch und Film haben mich erschüttert.

Welche Musik hören Sie bei der Arbeit?
RB: Manchmal Erik Satie oder sonst gar keine Musik.
EB: Ich höre keine Musik, wenn ich arbeite. Irgendwie ist die Arbeit zu viel für mich, ich kann dabei nicht wirklich zuhören… Aber was ich am liebsten höre, sind wissenschaftliche Radiosendungen. Ich liebe es, etwas über Astronomie oder Geschichte, Informatik oder Biologie zu hören. Musik ist für mich nun weniger interessant, ich höre weiterhin alte Schallplatten, aber ich bevorzuge jetzt die Stimme und die Erzählungen der Menschen.

Werden Sie manchmal verwechselt (Ronan mit Erwan, oder umgekehrt)?
RB: Manchmal.
EB: Ja, das passiert…

ph. © Asger Mortensen
Ronans geliebte Objekte: eine Sammlung japanischer Filzstifte in verschiedenen Farben, japanische Verzeichnisse von Büchern der 50er Jahre; Raume Spaces, ein Buch von Donald Judd
Aufnahme von Erwan
Euroluce 2017
ph. Studio Bouroullec
Piani, 2011
Aim, 2013 - ph. © Philippe Jarrigeon